Kolumne Werte sind kein Dekoartikel – so werden sie Alltag

Wofür steht mein Betrieb eigentlich? Viele Handwerksunternehmer können diese Frage nicht klar beantworten. Unsere Kolumnistin hat in Workshops erlebt, wie sich Teams verändern, wenn Werte konkret und überprüfbar werden. Eine Anleitung zum Sofort-Umsetzen.

Kathrin Post-Isenberg
Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg leitete früher einen eigenen Betrieb in Siegburg. Mit ihrer Praxiserfahrung berät sie heute Handwerksunternehmen dabei, sich erfolgreich als Arbeitgebermarke zu etablieren. - © Markus Zielke

In mehreren Workshops wurde mir klar: Wenn Teams ihre Werte wirklich greifen können, verändert sich etwas. Plötzlich ist da mehr Verbindung, mehr Klarheit – auch in Sachen Arbeitgebermarke. Wie das geht? Ich kenne da eine Methode, die einfach klingt – und überraschend viel auslöst. 

In den letzten Wochen habe ich mehrfach erlebt, wie wertvoll es für ein Unternehmen sein kann, sich intensiv mit den eigenen Werten auseinanderzusetzen. Nicht große Sprüche machen eine gute Arbeitgebermarke aus, sondern die kleinen, aber wirkungsvollen Dinge im Alltag, die das Team wirklich spüren kann. Wenn Ihre Werte klar definiert sind, entsteht eine ganz neue Energie im Miteinander. 

Weil es hier nicht nur um Theorie geht, habe ich eine kleine Anleitung für Sie. Eine praxisorientierte Methode, die Sie und Ihr Team sofort umsetzen können. 

Warum das Ganze? 

Als Arbeitgeber überzeugen Sie nicht nur durch Benefits oder gute Stellenanzeigen. Es geht vor allem um Ihre Haltung und um das, was Ihnen im Betrieb wirklich wichtig ist – Ihre Werte. 

Doch genau hier fängt es oft an zu wackeln: Viele Betriebe wissen gar nicht genau, wofür sie eigentlich stehen. Wenn die Werte unklar sind, können sie auch nicht gelebt werden. 

Wertearbeit in 3 Schritten – ganz praktisch 

1. Werte finden, die zu Ihnen passen 
Nehmen Sie sich einen ruhigen Moment – idealerweise bei einer Tasse Kaffee – und beantworten Sie sich folgende Fragen:

  • Wofür stehe ich als Unternehmerin bzw. Unternehmer? 
  • Was ist mir im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden wichtig? 
  • Welche Haltung möchte ich in meinem Betrieb sehen? 

Aus diesen Antworten wählen Sie maximal fünf Werte aus. Diese sollten zu Ihrer Führung, Ihrem Team und Ihrem Handwerk passen – beispielsweise: Verlässlichkeit, Respekt, Qualität oder Weiterentwicklung. Wählen Sie Werte, die nicht nur gut klingen, sondern im Alltag spürbar sind.

2. Werte im Team konkretisieren 
Binden Sie Ihr Team in den Prozess ein. Fragen Sie: 

  • Was bedeuten diese Werte konkret im Arbeitsalltag? 
  • Wie wird Respekt auf der Baustelle oder im Kundenkontakt gelebt? 
  • Was funktioniert gut, was fehlt, was stört? 

Erarbeiten Sie gemeinsam Beispiele und formulieren Sie klare "So machen wir das hier"-Sätze, die für alle verständlich sind. 

3. Werte sichtbar und überprüfbar machen 
Hängen Sie die Werte sichtbar auf – etwa in der Werkstatt, im Büro oder in der Teeküche. Sorgen Sie dafür, dass die Werte regelmäßig in Reflexionsrunden thematisiert werden: 

  • Haben wir unsere Werte in letzter Zeit gespürt?
  • Wo haben wir sie verfehlt? 

Sprechen Sie es offen an, wenn etwas nicht passt – Werte sind kein Dekoartikel für die Wand, sondern sollten im Arbeitsalltag gelebt werden. 

Was Wertearbeit bewirkt

Wenn Sie Ihre Werte kennen, leben und zeigen, schaffen Sie Vertrauen – nicht nur in Ihrem Team, sondern auch bei potenziellen neuen Mitarbeitern. Wer seine Werte lebt, wird genau die Menschen ansprechen, die zu seinem Unternehmen passen. 

Vielleicht denken Sie sich beim nächsten Gespräch oder im Teammeeting: "Irgendwas fühlt sich nicht ganz stimmig an …" Dann schauen Sie doch einfach mal auf Ihre Werte. Sie sind kein Selbstzweck, aber sie sind der Kompass, der Ihnen und Ihrem Team Orientierung gibt.

Und wenn Sie das nächste Mal bei einer Innungsversammlung, einem Unternehmerfrühstück oder einem Fachgruppentreffen sitzen, dann erzählen Sie ruhig davon: Wie Sie mit Ihrem Team an den Werten gearbeitet haben. Was sich verändert hat – im Miteinander, in der Führung, vielleicht sogar bei der Azubisuche. Denn genau solche Geschichten braucht das Handwerk. Und genau so entsteht eine Kultur, in der starke Arbeitgebermarken wachsen können.